schritt:weise ist ein Spiel- und Lernprogramm für Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen.  Das Programm wird in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz angeboten. Neben der Förderung des Kindes zuhause spielt die soziale Vernetzung der Familie und die Stärkung der elterlichen Kompetenzen eine wichtige Rolle.

Grundlagen von schritt:weise

Zielgruppe

schritt:weise ist ein präventives Frühförderungsprogramm für 1- bis 5-jährige Kinder in sozial benachteiligten oder bildungsfernen Familien.

Herkunft

schritt:weise basiert auf den «Stap»-Programmen, die in den Niederlanden entwickelt worden sind. Der Verein a:primo hat diese Programme an die schweizerischen Verhältnisse angepasst und bietet sie Trägerschaften in Städten und Gemeinden in der gesamten Schweiz zur Umsetzung an.

Konzeption

Das Hausbesuchsprogramm schritt:weise ist auf Elternbildung mittels Modelllernen ausgerichtet. Es dauert 18 Monate und findet primär bei den Familien zu Hause statt.
Mit dieser niederschwelligen Gehstruktur werden auch Familien erreicht, die andere Angebote der Familienbildung und Erziehungshilfe nicht in Anspruch nehmen. Das Programm fokussiert auf die Nutzung vorhandener Ressourcen und die Stärkung der Eigenverantwortung der Familien.

Struktur

Das Programm schritt:weise zeichnet sich zum einen durch die wöchentlichen, etwa 30 Minuten dauernden Hausbesuche aus. Sie werden von geschulten Laienhelferinnen durchgeführt, welche Mütter aus der Zielgruppe sind.
Zum anderen finden alle vierzehn Tage Gruppentreffen statt, bei denen soziale Kontakte geknüpft und Informationen zur Entwicklung und Erziehung der Kinder an die Eltern weitergegeben werden. Diese werden von der Koordinatorin durchgeführt.

Leitung

Die Koordinatorin des Standorts übernimmt die fachliche Schulung und Anleitung sowie die personelle Führung der Hausbesucherinnen. Die Koordinatorin ist eine qualifizierte Fachkraft aus dem Bereich der sozialen Arbeit oder Pädagogik. Zu ihren Aufgaben zählen auch die Gewinnung der Familien, die Organisation der Gruppentreffen, die Vernetzung mit anderen sozialen Einrichtungen vor Ort und die Öffentlichkeitsarbeit.

Ziele von schritt:weise

Das Hausbesuchsprogramm schritt:weise hat Ziele auf drei verschiedenen Wirkungsebenen:

Kinder

Das Programm schritt:weise ermöglicht sozial benachteiligten Kindern einen guten Start ins Leben. Durch die täglichen Spiel- und Lernerfahrungen der Kinder mit ihren Eltern erweitern sich ihre sprachlichen, motorischen, kognitiven, sozialen sowie emotionalen Kompetenzen. Die regelmässige und fokussierte Beschäftigung der Eltern mit ihrem Kind unterstützt die sichere Bindung des Kindes.

Eltern

Ein Kernziel des Programms ist die Verbesserung und Intensivierung der Eltern-Kind-Interaktion. Die Eltern sollen mehr Sicherheit im Umgang mit ihren Kindern erhalten. Dazu werden sie in ihren Erziehungskompetenzen gestärkt und für die altersspezifischen Bedürfnisse ihrer Kinder sensibilisiert. Das praktische Vorgehen vermittelt die Hausbesucherin durch modellhafte Anleitung während ihres Besuchs.

Familie

Gespräche und gemeinsames Spiel sollen an Bedeutung gewinnen und zu einem positiven Familienklima führen. Durch den Transfer des erworbenen Wissens auf die Erziehung von Geschwistern profitiert die Familie als Ganzes. Die Familien lernen die Angebote ihrer Stadt oder Gemeinde kennen und werden stärker in das soziale Netz integriert. Die Sprachkenntnisse bei Migrantenfamilien verbessern sich durch die Auseinandersetzung mit den Arbeitsmaterialien sowie durch die Aussenkontakte.

Methodik

Das Programm schritt:weise erreicht diese Ziele mit folgenden methodischen Ansätzen:

Fokus auf Eltern-Kind-Interaktion

Ressourcenorientierung

Stimulation aller wichtigen Entwicklungsbereiche

Modelllernen in konkreten Alltagssituationen

Wissensvermittlung bezüglich Entwicklung und Erziehung

Erweiterung des sozialen Netzwerks und Integration in lokale Strukturen

Wissenschaftliche Evaluationen & Wirksamkeit

Basisevaluationen

Folgende Studien wurden durchgeführt:

Marie Meierhofer Institut für das Kind (2008–2011): schritt:weise an 8 Standorten mit über 140 Familien

Universität Bern (2007–2012): schritt:weise im Rahmen des Pilotprojekts primano mit 4 Programmdurchläufen und rund 120 Familien

Deutsches Jugendinstitut (2001–2004): Opstapje (Basis von schritt:weise) an 2 Standorten mit 85 Teilnehmerfamilien und 18 Familien in der Kontrollgruppe

Für die ausführlichen Bericht wenden Sie sich bitte an a:primo.

Wirksamkeit

Die Basisevaluationen belegen positive Wirkungen:

Mit dem Programm können sozial benachteiligte und bildungsferne Familien effektiv erreicht und kontinuierlich begleitet werden

Die teilnehmenden Kinder zeigen eine bessere Motorik, fortgeschrittene emotionale Entwicklung, bessere Deutschkenntnisse und erweiterte alltagspraktische Fähigkeiten

Die Kindergartenlehrpersonen stellen bei den Eltern eine höhere Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft, bessere Deutschkenntnisse sowie eine bessere soziale Integration fest

Die Eltern schätzen ihre Erziehungskompetenz und Offenheit nach aussen höher ein als vorher